Der Geist des Bussone (Cilento)

Er lurt etwas böse aus seinem Spalt heraus, und wir waren nicht sicher, ob ihm unser Besuch recht ist. Es hat eine Zeit gedauert, bis wir ihn in circa dreißig Metern Höhe in dem riesigen Krater des Affondatore di Vallivona mit einem kleinen Frösteln im Rücken entdeckt haben. Aber da er uns von oben nicht mit Steinen beworfen hat und irgendwie wirkt, als hätte er sich mit seinem Schicksal steinzähneknirschend abgefunden, genossen wir von unten friedlich den Anblick des hundert Meter hohen Kraters. An den Boden desselben gelangt der Besucher nicht von oben, sondern seitlich über einen 400 Meter langen, mannshohen Tunnel. Dieser dient weniger als Weg, sondern mehr als künstlicher Abfluss des Kraters — wozu? Das ist mir nicht begreiflich, und keiner konnte es mir erklären. Im Krater gibt es einen kleinen Wasserfall, die Quelle des Flusses Bussone, der hier wieder versickert und an anderer Stelle endgültig entspringt. Die Wände sind mit üppiger Vegetation bewachsen, wohl seit der Krater dank Abfluss bei Regen nicht mehr geflutet wird. Ein paar Algen oder Moose bewachsen zärtlich den Bussone-Geist. Auch damit scheint er sich abgefunden zu haben, denn nur das schmutzige, feuchte Wasserleichengrün gibt ihm seine endgültige Schauderhaftigkeit.

Der Geist von Vallivona
Der Geist von Vallivona

Wenn es viel regnet, ist der Tunnel wegen des abfließenden Wassers angeblich schwer zu passieren, und der Besucher sollte Gummistiefel tragen. Bei unserer Visite im August waren aber nur ein paar Pfützen verblieben. Sehr empfehlenswert ist das Tragen einer Stirnlampe, denn am Boden erschweren grob gehauene und rutschige Stolperschwellen das Laufen, und keinerlei Licht dingt ins Innere — bis auf den kleinen hellen Fleck Zuversicht am Ende des Tunnels.

 

 

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