Pinocchio von der Alpspitze

Man trifft wahrlich viele lustige Gesellen in der Alpspitz-Ferrata, Gesellen, die dem Bergsteiger den Tag erheitern. Meine besonderen Lieblinge sind die jungen, ehrgeizigen Angeber, die andere Bergsteiger ständig lautstark maßregeln, wie sie richtig klettern und sichern sollen. Ich mag aber auch die alten, schnaufenden, schwitzenden und rotgesichtigen Dicken, die am Rande des Kollaps unterwegs sind und für die man froh ist, dass sich die endlose Schlange der Kletterer immer wieder staut und die Herren so zum Durchatmen kommen. Am besten sind aber vielleicht die übervorsichtigen Familienväter, die ihre Lieblinge wie auf dem Gletscher zusätzlich an ein Seil nehmen, sodass ein Stürzender unter Garantie die gesamte Seilschaft in die Bremse des Klettersteigsets reißt.

So fröhlich geht es zu, dass – wen wundert es – besonders neckische Berggeister unterwegs sind.

pinocchio

Dieser Schalk mit der langen Nase hat sie alle gesehen und belächelt, zumindest, wenn sie nicht mit der Bahn wieder herabfahren, sondern zu Fuß über das Kreuzeck absteigen. Hin und wieder blickt er auf, saugt das Bild eines seltsamen Wanderers (vielleicht auch das eines von denen, die in voller hochtourentauglichen Funktionsmontur und zackig klackernden Stöcken den lahmen Waldweg hinaufstolzieren) in sich hinen und muss sofort den Blick wieder senken, um wie ein kleines Kind, das das Schokoladenversteck der Mutter gefunden hat, in sich hineinzukichern. Vielleicht wird ob dieser stillen Boshaftigkeit seine Nase jedes Mal ein Stückchen länger … Aber wohl nicht, sonst wäre sie jetzt schon kilometerlang.

Mein Rat: Steigt auf die Alpspitze, die Tour ist wunderschön, aber ärgert Euch nicht zu viel über die vielen seltsamen anderen, sondern macht es wie unser Pinocchio-Geist: Lächelt weis in Euch hinein.

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